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hessische Film- und Medienakademie (hFMA)
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Termin

Bis 03.12.2017 / Sonntag (Öffentlich)

Film, Event, Wettbewerb

Frankfurt am Main

Biennale des bewegten Bildes 2017

Leitthema 2017:
On Desire. Über das Begehren.

Nach den Themenstellungen „EXPANDED NARRATION. Das neue Erzählen“ in 2013 und „EXPANDED SENSES. Wahrnehmung erweitern und Grenzen verschieben“ im Jahr 2015 widmet sich die B3 2017 dem Leitthema „ON DESIRE. Über das Begehren.“

Das Begehren als Begierde, Wunsch, Lust oder Hoffnung und deren Umsetzung in bewegtes Bild werden in den drei...

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Leitthema 2017:

On Desire. Über das Begehren.


Nach den Themenstellungen „EXPANDED NARRATION. Das neue Erzählen“ in 2013 und „EXPANDED SENSES. Wahrnehmung erweitern und Grenzen verschieben“ im Jahr 2015 widmet sich die B3 2017 dem Leitthema „ON DESIRE. Über das Begehren.“

Das Begehren als Begierde, Wunsch, Lust oder Hoffnung und deren Umsetzung in bewegtes Bild werden in den drei bewährten B3-Modulen Parcours, Festival und Campus/Markt aus künstlerisch, gesellschaftlich, politisch, historisch beleuchtet und kritisch hinterfragt hinterfragt in Bezug auf ihre Funktion als Triebfeder für die Gestaltung von Zukunft und die Entwicklung von Utopien. Die B3 schaut hierbei ebenso auf das Begehren des Individuums, aber auch auf die Ansprache und Mobilisierung kollektiver Sehnsüchte und Hoffnungen. Die künstlerische bis rein formale Umsetzung dieses Begehrens in bewegtes Bild auf allen bekannten Trägermedien und über alle Kanäle steht hierbei ebenso im Vordergrund wie die Auslotung von Grenzen und der Blick in die Zukunft.


"Das Nachdenken über das Begehren/desire führt in eine komplexe Dramaturgie aus Innen- und Außenwelten und aus Übersetzungsfragen: In der Philosophiegeschichte wird die dt. Begierde (lat. Cupiditas) mit desire übersetzt, gleichwohl aber auch der Freud´sche Begriff des Wunsch. Während in der Rückübersetzung von désir / desire aus dem Französischen / Englischen ins Deutsche hingegen das Begehren die verbreitete Übersetzung ist. Das Verhältnis von Gesellschaft und Technik und die Beziehung von Individuen und ihrem Technikgebrauch finden in dem Begriff Begehren eine elementare Referenz. Das Begehren entwirft Verhältnisse, die sich abseitsnatürlicher und funktionaler Regelsysteme und Erklärungsmuster zwischen Menschen, Menschen und Dingen, Menschen und Techniken ereignen. Zugleich entzieht sich der Begriff einer klaren Zuordnung, schwankt zwischen sexueller, ideeller und sozialer Aufladung. Begehren ist in eine produktive Ambivalenz eingeschrieben. Auch in seiner Unterscheidung von anderen Großfiguren wie Begierde, Lust, Sehnsucht, Wille.

Es fällt leicht, Medientechniken und insbesondere den Bewegtbildern in ihrer Geschichte und Gegenwart jene Aufgabe der Wunscherfüllung zuzuweisen, die die „Wirklichkeit" nicht leisten kann oder einfach abweist. Das Begehren nach Gegen- oder Ersatzwirklichkeiten findet sich früh in der Ausrichtung der Kinoindustrie auf Genres (Komödie, Science-Fiction etwa) und in zunehmender Ausdifferenzierung der Postproduktion. Desgleichen wird im Zusammenhang mit Computerspielen und Social Media das psycho-soziale Argument der Ersatzbefriedigung, der Entlastung, auch der künstlichen Vervollkommnung (Avatare), der Simulation und Immersion, allgemein: des Begehrens nach Surrogaten angeführt. Jedenfalls kann hier von Medientechniken als Traumtechnikendie Rede sein, womit sich die eine zentrale Frage an diese Techniken formulieren lässt: Was wollen diese Bilder, welche Wünsche erfüllen sie?

Zum anderen ist von einem produktiven Begehrenauszugehen, das sich nicht auf Mangel oder Lust reduzieren lässt. Dies lässt sich vielleicht anschaulich, gerade auch im Zusammenhang mit den Bewegtbildern, zunächst am Objekt des Begehrens, dann am Zusammenspiel von Bewegung, Bild und Begehren zeigen. Während das Objekt der Begierde / des Verlangens durch eine Funktion bestimmt wird, die durch es hindurch wahrgenommen wird und die zugleich die beliebige Ersetzbarkeit des Objektes in der Befriedigung voraussetzt, repräsentiert das Objekt des Begehrens anderes, als es selber. Es hat eine symbolische Dimension. Während die Begierde das Objekt haben will, will das Begehren das Objekt, weil es dieses Objekt ist– auch und gerade in seiner Unerreichbarkeit!

Das Begehren ist endlos, es ist unabschließbar, uneinlösbar, es findet keinen finalen Zustand der Befriedigung. So wie die Bewegung stets nur Bewegung sein kann und ist, und also auch nur von außen angehalten, abgestoppt werden kann, so auch das Begehren, es vermag nicht aufzuhören zu begehren, es ist ein unendliches. In der Letztkonsequenz bedeutet dies, in einer Formulierung Slavoj Zizeks: „desire´s raison d´être is not to realize its goal, to find full satisfaction, but to reproduce itself as desire.“ eide Formen, die Form des Begehrens und die Bewegungsform (er)finden, erzeugen Objekte und Bilder, die ihnen entsprechen. Wunschmaschinen, in der Sprache von Deleuze/Guattari.

Gerade in der aktuellen Medienlandschaft lassen sich Phänomene beobachten, die von dieser willkürlichen Unabschließbarkeit, diesem Fließen des Begehrens und Bewegens der Bilder zu. Stellt das Fernsehregime mit der Einführung des 24 Stunden-Empfangs bereits eine endlose audio-visuelle Verkettung aus Realem und Fiktionalem zur Verfügung, so demonstrieren neue Serien mit ihren Staffeln und zahllosen Episoden von innen heraus das Begehren nach Endlosgeschichten und ihren narrativen Exzessen. Das Internet, als gigantische Wunschmaschine der Gegenwart, ist ein nicht arretierbarer, hypermedialer Strom, an dem man sich jederzeit und von vielen Orten aus anschließen kann. Mit dem Netz und den Neuen Medien erleben und erfahren wir ein Gefüge des Begehrens, das neue Verhältnisse zum Eigentum/Besitz, zum sozialen Körper, zur Sexualität und der Geschlechterfrage und eben auch zur Produktion und Wahrnehmung und Aneignung von Bewegtbildern, Musik und Kunst einbringt. Daher ist die zentrale Frage, die an die diversen Ausformungen Neuer Medien zu stellen ist, nicht die nach visuellen oder ästhetischen Defiziten – etwa angesichts der krassen Miniaturisierung der Bild-Displays –, sondern die nach dem Gefüge des Begehrens, das die Faszinationen, die Affekte und Interessen – etwa am kleinstmöglichen Bewegtbild – evoziert.

Die B3 Biennale des bewegten Bildes 2017 stellt sich unter dem Leitthema „ON DESIRE. Über das Begehren.“ dieser doppelten Logik des Begehrens nach „Traumbildern" der Wunscherfüllung und dem „produktiven Begehren" der Wunschmaschinen." (Prof. Dr. Marc Ries, Soziologie / Medientheorie, HfG Offenbach)

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